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Privater Besuch einer Gruppe von NAVIS e.V. in San Joaquin am 17.03.2015

Bildergallerie am Ende des Artikels

Am 17.03.2015 machte sich eine kleine Gruppe von NAVIS e.V. Mitgliedern im Zuge einer Urlaubsreise auf die Philippinen auf den Weg zu einem Besuch nach San Joaquin. Dort hatte NAVIS e.V. zwischen November 2013 und Januar 2014 ihre Zelte aufgeschlagen um nach dem verheerenden Taifun Yolanda Hilfe zu leisten. Mit von der Partie waren Walter Unger (fact finding team), Christoph Kunz (Team 2), Helmut Unger (Team 5 Aufräumteam) und Uwe Polakowsky (Organisator der Einsätze auf den Philippinen). Jeder von ihnen war gespannt, was sie in San Joaquin zu sehen bekommen sollten, wie weit die Aufräumarbeiten gekommen sind, ob das Leben nach der Katastrophe in San Joaquin wieder in normalem philippinischem Rahmen möglich ist?

Von Tacloban reiste die Gruppe mit einem Jeepney nach San Joaquin. Dort wurde sie von Papoose freudig in Empfang genommen. Er hatte sich den kompletten Nachmittag für NAVIS e.V. frei genommen und zeigte stolz die Ergebnisse der Instandsetzung des Dorfes. Nur wenige baufällige Gebäude zeugten noch von der großen Katastrophe, ansonsten befand sich San Joaquin in einem sauberen und ordentlichen Zustand.

Gerade wurde auf dem Friedhof eine Gedenktafel für die bei der Katastrophe ums Leben gekommenen Bürger errichtet, ebenso wie ein Mausoleum, dass die Erinnerung an die Verstorbenen aufrechterhalten soll.

In der daneben liegenden Schule, in der gerade die Abschlussfeier zum Schuljahresende stattfand, versammelten sich kurze Zeit später viele Schüler und Lehrer, um der kleinen NAVIS e.V. Gruppe ein selbstgedichtetes Lied zum Besten zu geben. Aber nicht nur das Lied war ergreifend, viel schöner waren die Momente der Wiederbegegnung zwischen NAVIS e.V. Mitgliedern und einigen Schülern und Lehrern. Es wurden nicht nur Hände gedrückt und Namen wieder ins Gedächtnis gerufen, auch selbstgestaltete Bilder, Fahnen und handgemachte Armbänder wurden an die Besucher übergeben. Dies war ein so ergreifender Moment, dass nicht nur auf Seiten der NAVIS e.V. Mitglieder Tränen in den Augen standen. Auch die anwesenden Lehrer, einschließlich der Direktorin waren von diesem Moment sehr ergriffen. Der Abschied fiel schwer, aber die Zeit drängte, denn auch die anderen Teile des Ortes sollten noch besucht werden.

Die nächste Station war die Stelle am Fluss, an der die Wasseraufbereitungsanlage zuerst ihren Dienst aufgenommen hatte. Papoose zeigte den Besuchern auch die Stelle am Fluss, wo er seinen toten Bruder gefunden hatte. Um vieles freudiger fiel kurze Zeit später die Begrüßung zwischen Sheehan (Dolmetscherin), Helmut, Christoph und Uwe aus. Da sie nichts von dem Besuch des NAVIS e.V. Teams wusste, stand sie den Dreien überrascht gegenüber. Als sie sie erkannte, rannte sie schreiend vor Freude auf sie zu und fiel ihnen um den Hals, um sie die nächsten Stunden nicht mehr aus den Augen zu lassen. Auf dem Hof von Papoose’ Haus hatte der Bürgermeister von seiner Frau eine Mahlzeit für uns herrichten lassen. Somit war Zeit sich über die erledigten Arbeiten zu informieren und auszutauschen. Die Wasseraufbereitungsanlage und der Stromgenerator tuen nach wie vor ihre Dienste und nach einer kurzen Inspektion konnte ermittelt werden, welche kleineren Wartungsarbeiten durchgeführt werden mussten. Mitten auf dem Hof stand ein Tricycle, das nicht wie üblich auf den Philippinen einen Psalm auf seiner Verkleidung trug, sondern den Schriftzug NAVIS. Schön zu sehen, dass die Arbeit von NAVIS e.V. weiterhin gewürdigt wird, obwohl der Einsatz schon seit 14 Monaten beendet ist.

Papoose führte die Gruppe weiter durch sein Dorf, wo ausschließlich saubere Straßen und ordentliche Hütten zu sehen waren. Nahe des Flusses befindet sich sogar eine neue Siedlung mit dem Namen Dresden, da der Besitzer des Grundstücks aus Dresden stammt und es den Einwohnern von San Joaquin zur Verfügung gestellt hat. Dort haben 13 Familien ein neues Zuhause gefunden. Zwar ereilte im Dezember 2014 San Joaquin ein neues Unglück in Form von extremem Hochwasser, was die Siedlung und Teile des Dorfes überschwemmte, aber nach dem Erfolg des Wiederaufbaus des Dorfes nach Yolanda, konnte die Einwohner fast nichts mehr erschüttern und so konnten auch diese Schäden mit vereinten Kräften wieder behoben werden.

Die nächste Anlaufstelle war die Geburtsstation der „midwife Joy“. Auch hier wurde den ehemaligen Helfern nur Anerkennung und Freude entgegengebracht und versichert, dass das damals reparierte Dach noch immer dicht ist. Helmut entdeckte auch das Regal wieder, das im Januar 2014 für die Lagerung von Medikamenten der AoG gebaut wurde. Es steht immer noch an seinem Platz und erfüllt seinen Zweck, wie es ebenso mit Provisorien ist.

Ein noch nicht wieder hergestelltes Gebäude ist das Büro des Bürgermeisters. Zwar sind die Gelder für die Wiederherstellung von der Regierung genehmigt, aber leider noch nicht in San Joaquin eingetroffen. So kann bis heute nur das Erdgeschoss seines Büros genutzt werden.

Der weitere Weg durch das Dorf führte die NAVIS e.V. Gruppe über saubere Straßen vorbei an ordentlichen und sauberen Hütten. Die der Gruppe begegnenden Menschen grüßten freundlich und zeigten ihre Lebensfreude in ihrem Lachen und ihrer offenen Art.

Helmuts besonderes Interesse galt den damals zerstörten Toilettenhäuschen, die mit Unterstützung von NAVIS e.V. wieder Instand gesetzt wurden. Gegen Ende des Rundganges traf NAVIS e.V. noch auf den Pfarrer des Dorfes, der sich auch noch einmal im Namen Gottes für die geleistete Hilfe bei der Gruppe bedankte.

Abschließend entdeckten die NAVIS e.V. Besucher neben dem Friedhofsgelände die Kreuze der damals ums Leben gekommenen, die dort auf einem Haufen lagen. Papoose erklärte dazu, dass diese Kreuze in einer Art Mausoleum, welches sich derzeit im Bau befand, zum Andenken an die Toten aufgestellt würden. Keiner von ihnen sollte jemals vergessen werden.

Nachdenklich und trotzdem höchst erleichtert und erfreut verabschiedeten sich die NAVIS e.V. Besucher, nicht ohne noch kräftig gedrückt zu werden, denn alle Erwartungen die sie in San Joaquin gesetzt hatten waren über alle Maßen erfüllt worden.